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1633

In den Wirren des Dreißigjährigen Krieges, bricht in Oberammergau die Pest aus. Im ältesten Oberammergauer Matrikelbuch sind für den Zeitraum von September 1632 bis Oktober 1633 die Namen von über 80 Pesttoten verzeichnet. Auf dem Friedhof gelobten die Oberammergauer in jedem zehnten Jahr „das Leiden und Sterben des Herrn“ aufzuführen. Die Legende erzählt, dass von diesem Tag an niemand mehr an der Pest verstarb.

1634

(1. Spieljahr) Zu Pfingsten wurde auf dem Friedhof, neben der Pfarrkirche – über den frischen Gräbern der Pestopfer - mit 60 bis 70 Darstellern das erste Mal das „Spiel vom Leiden, Sterben und Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus“ aufgeführt. In den Jahren von 1550 bis 1800 sind im bayrisch-österreichischen Raum über 250 Passionsspielorte belegt

1644-1654

Zweite und dritte Aufführung

 

1662

In diesem Jahr entsteht, durch den Oberammergauer Schulmeister Georg Kaiser, die Abschrift des ältesten erhaltenen Oberammergauer Passions-Textes.  Ein Großteil der 4902 Verse entstammt zwei älteren Spielen, die schon vor 1634 miteinander verbunden wurden:  Zum einen, einem mittelalterlichen Passionsspiel aus der zweiten Hälfte des 15 Jahrhunderts, dessen Handschrift im Augsburger Benediktinerkloster St. Ulrich und Afra gefunden wurde und zum anderen der reformatorisch gestalteten, als Druck verbreiteten „Passions-Tragedi“ des Augsburger Meistersingers Sebastian Wild vom Jahre 1566. Der Hinweis: »Ist widerumben renoviert« deutet darauf hin, dass der Text bereits 1634, 1644 und 1654 verwendet wurde.

1674

(5. Spieljahr) Erweiterung des Textes durch Szenen aus dem Weilheimer Spiel von Pfarrer Johannes Älbl. Teile der Passion wurden musikalisch gestaltet.

 

1680

(6. Spieljahr) Die Gemeinde beschließt den Wechsel zur Aufführung in den Zehnerjahren.

 

1690

(7. Spieljahr) Die älteste erhaltene Gemeinderechnung belegt Ausgaben für das Passionsspiel in Höhe von 45 Gulden und 45 Kreuzer.

 

1710

(9. Spieljahr)  Spielleitung und Textbearbeitung durch den Geistlichen Thomas Ainhaus (Benefiziat in Oberammergau 1705-1723).

 

1720

(10. Spieljahr) Szenenanweisungen  in der  Textbearbeitung des Ettaler Paters Karl Bader (1668-1731) dokumentieren eine barocke Kulissenbühne.

 

1730

(11. Spieljahr) Es findet eine Textbearbeitung durch den Rottenbucher Augustinermönch Pater Anselm Manhart (1680-1752) statt, der die allegorischen Figuren Neid, Geiz, Tod und Sünde als Gegner Jesu und die Lebenden Bilder, die bis heute ein wichtiges Stilmittel der Passionsspiele darstellen, einführt.  Erstmals gibt es zwei Aufführungen und es entsteht ein Defizit von 84 Gulden in der Gemeindekasse.

 

1740

(12. Spieljahr) Textbearbeitung durch den Oberammergauer Pfarrvikar und späteren Rottenbucher Probst Clemens Prasser (1703-1770). Wahrscheinlich fanden zwei Aufführungen statt.

 

1750

(13. Spieljahr) Der Ettaler Benediktiner Pater Ferdinand Rosner (1709-1778) schreibt in den Zeiten der anbrechenden Aufklärung einen neuen Text, die "Passio Nova".  Diese Fassung, religiös und künstlerisch durchgehend in der Formensprache des geistlichen Barocktheaters gestaltet, ist der erste eigenständige Passionsspieltext Oberammergaus. Die Allegorien werden in die Handlungen mit einbezogen, Jesus steht im Zentrum eines dramatischen Kampfes zwischen Gott und den Mächten der Hölle. Rosners Text findet in Bayern weite Verbreitung und lässt Oberammergau zum Vorbild für andere Spiele werden. Zwei Aufführungen mit ca. 11.000 Besuchern.

1760

(14. Spieljahr) Die beiden ältesten erhaltenen Kostüme der Passionsspiele, die Kostüme der Priester Kaiphas und Annas, stammen aus diesem Jahr und wurden bis in das 19. Jahrhundert hinein verwendet.

 

1770

Verbot aller Passionsspiele in Bayern. Das 18. Jahrhundert war die Zeit der Aufklärung. Der aufklärerische Vernunftglaube hatte keinen Sinn für die bunten, drastischen Spiele des Volkes. Die Darstellung Christi durch ungebildete Dorfbewohner erschien als Profanierung des Heiligen. Als die Oberammergauer die Spielgenehmigung für 1770 einholen wollten, wurde sie ihnen verweigert. Die Geistlichkeit verordnete, dass das große Geheimnis der heiligen Religion nicht auf die Bühne gehöre.

 

1780

(15. Spieljahr) Einzig Oberammergau erhält, nach der Umarbeitung der Passion Rosners durch den Ettaler Pater Magnus Knipfelberger (1747-1825), das Privileg für 3 Aufführungen. Knipfelberger beschränkt die Auftritte der Hölle auf musikalische Zwischenszenen und nennt das Stück "Das Alte und Neue Testament" um eine Erwähnung der Passionsthematik zu vermeiden. Einige Requisiten, wie ein von Franz Seraph Zwinck (1747-1792) gemaltes Dromedar, oder eine Geißelsäule haben sich aus dieser Zeit erhalten.

 

1790

(16. Spieljahr) Privileg für fünf Aufführungen. Erstmals belegter Verkauf von Eintrittskarten, sowie ein Hinweis auf das Passionsspiel in der Presse. Ca. 11.000 Besucher.

 

1800

(17. Spieljahr) Der mit dem Napoleonischen Kriegen verbundene Rückgang auf 3.000 Zuschauer hinterlässt ein Defizit von 205 Gulden in der Gemeindekasse.

 

1801

(18. Spieljahr) Um die kriegsbedingten Gemeindeschulden zu verringern, durfte die 1800er Passion mit vier Aufführungen fortgesetzt werden. Ca. 7.500 Besucher.

 

1810

In diesem Jahr wurde das Spiel wiederum verboten, und diesmal sah es so aus, als sei es mit den Spielen endgültig zu Ende. Der bayrische Minister und Staatsreformer Maximilian Graf Montgelas, der ab 1802 maßgeblich an der Auflösung der Bayrischen Klöster beteiligt war, erklärte das Oberammergauer Privileg für erloschen.

1811

(19. Spieljahr) Den Vertretern der Dorfgemeinschaft gelang es, bis zum Kurfürsten Max Joseph vorzudringen und dieser erwirkte, nach der Vorlage eines von dem Ettaler Pater Dr. Othmar Weiß (1769-1843) neugeschaffenen Textes, dass das Spiel wieder stattfinden durfte.  Die Musik komponierte der in Oberammergau geborene Lehrer Rochus Dedler (1779-1822). Diese Musik zu den "Lebenden Bildern" bestimmt bis heute den Charakter des Spieles wesentlich mit. 6 Aufführungen mit ca. 21.000 Besuchern.

1815

(20. Spieljahr) Sonderspiele zum Dank für die Beendigung der Napoleonischen Kriege. P. Ottmar Weis formte seinen Text weitgehend nach den Maßstäben zeitgenössischer Literatur um und erweitert das Spiel durch eine neue Szene, den „Einzug in Jerusalem“.  Die Änderungen erforderten von Rochus Dedler eine weitgehende Neukomposition der Musik. Die Neugestaltung der Bühne erfolgte durch den in Oberammergau geborenen Kleriker Johann Nikolaus Unhoch (1762-1832). 11 Aufführungen für ca. 9.000 Besucher.

1830

(22. Spieljahr) König Ludwig I. genehmigt das Spiel unter der Bedingung, dass die Bühne nicht mehr auf dem Friedhof errichtet wird. Daraufhin wird die Bühne, nach den Plänen von Nikolaus Unhoch, an den Nordrand des Dorfes verlegt. Ihr Grundriss bestimmt bis heute die Struktur des Passionstheaters. 5000 Zuschauer finden im neuen Theater Platz. Allerdings kommen bei 10 Aufführungen nur etwa 13 000 Besucher.

 

1840

(23. Spieljahr) Eine Hauptprobe und dreizehn Aufführungen zogen ca. 35.000 Zuschauer nach Oberammergau - darunter das sächsische Königspaar. Der Aufschwung der Besucherzahlen ging u.a. auf Zeitungsberichte begeisterter Rezensenten zurück.

 

1850

(24. Spieljahr) In diesem Jahr übernimmt Pfarrer Joseph Alois Daisenberger (1799-1883), der seit 1845 Pfarrer in Oberammergau war, die Leitung des Spiels.  Ein gewählter „Passionsausschuss“ organisiert die Spiele. Erstmals französische und englische Zeitungsberichte über das Spiel. 14 Aufführungen mit 464 Mitwirkenden vor ca. 45.000 Besuchern.

Jesus Darsteller Tobias Flunger

Christus-Darsteller Joseph Mair

1871

Das wegen des deutsch-französischen Krieges unterbrochene Spiel wird 1871 fortgesetzt. Für den bayrischen König Ludwig II wurde eine Sondervorstellung gegeben; als Dank dafür stiftete er den Oberammergauern eine monumentale Kreuzigungsgruppe. Auf seinen Wunsch hin nahm Hofphotograph Joseph Albert alle Lebenden Bilder und mehrere Szenen auf. 18 Aufführungen mit ca. 40.000 Besuchern – darunter: Kronprinz Edward aus England und Richard Wagner.

1880

(27. Spieljahr) Bis zum Jahre 1870 waren die Spielleiter allesamt Kleriker. In diesem Jahr übernimmt das erste Mal ein „Laie“ die Leitung des Spiels: Johann Evangelist Lang (1835-1900) – zugleich Bürgermeister und Kaiphas-Darsteller. Die Kostüme und diverse Requisiten entstanden in Zusammenarbeit des Leiters der Oberammergauer Schnitzschule, Bildhauer Ludwig Lang (1844-1932), dessen Schwester Josepha und Kostümbildnern des Münchner Hoftheaters.

Thomas Cook entdeckt Oberammergau für den aufblühenden Tourismus. Erstmals wurden „Arrangements“ verkauft, die von den Londoner Reisbüros H. Gaze und Thomas Cook angeboten wurden. 40 Aufführungen mit ca. 100.000 Besuchern, darunter der Komponist Anton Bruckner und Herzog Georg II. von Meiningen.

Pilatus Darsteller Thomas Rendl

Petrus Darsteller Jacob Hett

1890

(28. Spieljahr) Bühnenneubau durch den international renommierten Münchner Theatertechniker Carl Lautenschläger. Teilüberdachung der Sitzplätze. Neuinszenierung im Hoftheaterstil mit naturalistisch-historisierenden Bühnenbildern und Kostümen. Im Passionskomitee bekommt der Ortspfarrer Sitz und Stimme. 40 Aufführungen, ca. 124.000 Besucher

1900

(29. Spieljahr) Bau einer Zuschauerhalle mit 4200 Sitzplätzen -  eine Eisengerüstkonstruktion mit sechs hohen Bögen, die nach vorne zur Freilichtbühne geöffnet ist. Erstmals gab die Gemeinde ein „Offizielles Textbuch“ mit dem gesamten Text heraus und eröffnete ein „Wohnungsbüro“ für die Unterbringung der Gäste.

Die Allgemeine Zeitung schreibt: „Oberammergau sieht Gäste aus aller Welt; selbst aus China waren drei Herren eingetroffen.“ Im Opferstock der Kirche finden sich Münzen aus Ägypten, Indien, Hongkong, Mexiko, Brasilien, Bolivien, Peru und Amerikanische Dollar. Der Ausbau der Eisenbahn von Murnau nach Oberammergau trug dazu bei, dass bei 47 Aufführungen ca. 174.000 Besucher kamen - darunter Rockefeller und Kardinal Ratti, der spätere Papst Pius XI.

Jesus-Darsteller Anton Lang

Prolog-Sprecher Joseph Mayer

Die Vertreibung aus dem Paradies, Lebendes Bild

Henry Ford zu Besuch in Oberammergau

(34. Spieljahr) Der Komponist Eugen Papst (1886-1956) bearbeitet die Musik Rochus Dedlers und nimmt eine Neuinstrumentierung vor. Statt zu 33 geplanten Aufführungen kommt es zu 87 mit ca. 480.000 Besuchern – darunter Bundespräsident Heuss, Bundeskanzler Adenauer. Höchster Repräsentant der Alliierten beim Spiel ist D. D. Eisenhower.

Konrad Adenauer, Theodor Heuss, John J. McClay

Jesus Darsteller Anton Preisinger

1633
1634
1644-1662
1674-1750
1760-1810
1811
1815
1830-1850
1860-1870
1871
1880
1890
1900
1910-1930
1950